- Was bedeutet „Show, don’t tell“ überhaupt?
- Warum ist „Show, don’t tell“ so wichtig?
- Aber: „Telling“ ist nicht immer schlecht
- Übungen: So trainierst du dein Gefühl für „Show, don’t tell“
Du hast sicher schon mal den Satz „Show, don’t tell.“ gelesen. Gerade im Schreibkontext fällt er ständig und oft mit einem Nicken, als wäre damit alles gesagt. Aber was bedeutet das eigentlich genau? Und wie kannst du es konkret in deinem Text umsetzen?
Was bedeutet „Show, don’t tell“ überhaupt?
Beim Schreiben hast du im Grunde zwei Möglichkeiten, Informationen zu vermitteln:
1. Tell: Du benennst eine Information direkt.
„Anna war wütend.“
„Er fühlte sich betrogen.“
„Der Wind war kalt.“
Diese Art zu schreiben ist schnell, klar, aber auch sehr abstrakt. Du erzählst deinen Leser:innen, wie etwas ist, aber du lässt sie es nicht erleben.
2. Show: Durch Handlung, Dialog, Körpersprache, Umgebung oder Reaktion
„Anna schlug die Tür zu. Ihre Finger zitterten, als sie das Handy zurück in die Tasche stopfte.“
„Er stand einen Moment lang still da, dann lachte er, aber es klang hohl.“
„Der Wind pfiff durch die Ritzen des Fensterrahmens. Er zog die Schultern hoch und vergrub das Gesicht tiefer im Schal.“
Beim „Show“ fühlen Leser:innen mit, weil du ihnen Bilder gibst. Du schaffst also eine Szene, in der sie sich wiederfinden können.
Warum ist „Show, don’t tell“ so wichtig?
Weil gutes Schreiben Emotionen erzeugt und Emotion entsteht nicht durch Information, sondern durch Erfahrung. Wenn du jemanden einfach nur informierst („Sie hatte Angst“), bleibt das auf Distanz. Wenn du aber zeigst, wie jemand handelt, spricht oder denkt, wenn er Angst hat, dann fühlen deine Leser:innen diese Angst mit und das macht deine Figuren lebendig.
Aber: „Telling“ ist nicht immer schlecht
Wichtig ist, dass du lernst zu unterscheiden, wann du zeigen und wann du erzählen solltest. Denn nicht jede Information muss gezeigt werden. Wenn du versuchst, alles zu zeigen, wird dein Text schnell überfrachtet oder unnötig lang.
Ein paar Faustregeln zur Orientierung:
| Zeigen („Show“) | Erzählen („Tell“) |
|---|---|
| Emotionale Momente | Unwichtige Übergänge |
| Zentrale Konflikte | Hintergrundinfos |
| Wendepunkte der Handlung | Zeitraffer / Zeitsprünge |
| Charakterverhalten & Entwicklung | Kontext oder Einordnung |
Show, wenn du Nähe und Wirkung willst. Tell, wenn du Tempo oder Klarheit brauchst!
Übungen: So trainierst du dein Gefühl für „Show, don’t tell“
Hier ein paar Methoden, die du direkt ausprobieren kannst:
Übung 1: Gefühle umschreiben
Nimm eine Liste von Emotionen (z. B. Wut, Traurigkeit, Verlegenheit, Freude) und versuche, sie in Verhalten, Gedanken oder Körperreaktionen umzuwandeln, ohne das Gefühl beim Namen zu nennen. Beispiel: Statt „Er war beschämt“ schreibst du „Er sah weg, fuhr sich durch die Haare und räusperte sich, ohne etwas zu sagen.“
Übung 2: Zeige mir die Szene
Nimm einen erzählten Satz aus deinem aktuellen Projekt – zum Beispiel „Die beiden mochten sich nicht.“ – und baue daraus eine Szene.
Fragen zur Hilfe:
- Wie benehmen sich die Figuren?
- Was sagen sie (oder was nicht)?
- Welche Körpersprache ist sichtbar?
- Was denkt die Hauptfigur über die andere?
Übung 3: Filmisches Denken
Stell dir vor, dein Text wird verfilmt. Wenn du in einem Satz sagst „Er war eifersüchtig“, könnte man das im Film sehen? Wenn nicht: Was würde der Schauspieler tun? Was sähe man an seinem Gesicht, an seinem Verhalten? Je visueller und körperlicher du denkst, desto leichter wird dir das „Showing“ fallen.
