Charaktere schreiben: So entwickelst du Figuren, die echt wirken

  1. Hintergrund & Motivation: Woher kommt deine Figur, und warum tut sie, was sie tut?
  2. Stärken & Schwächen, denn perfekt ist langweilig
  3. Innere Konflikte: Wenn’s in der Figur brodelt
  4. Beziehungen
  5. Veränderung: Deine Figur darf (und soll) wachsen
  6. Eigenheiten, Aussehen & Körpersprache
  7. Geheimnisse & Werte: Was bleibt im Schatten?

Ob wir wollen oder nicht: Am Ende sind es immer die Charaktere, die uns an einer Geschichte hängen lassen. Die, wegen denen wir nachts weiterlesen, obwohl wir eigentlich schlafen sollten. Oder die uns tagelang nicht mehr loslassen, weil sie sich anfühlen wie echte Menschen.

Und genau das ist die Kunst: Figuren schreiben, die mehr sind als Schablonen. Die Tiefe haben, Ecken und Kanten. Und die uns nicht nur durch ihre Taten, sondern auch durch ihre inneren Konflikte faszinieren.


Hintergrund & Motivation: Woher kommt deine Figur, und warum tut sie, was sie tut?

Jede Figur hat eine Vergangenheit und die formt alles, was danach kommt. Klingt logisch, ist aber ein Punkt, den man im Schreibrausch gerne mal überspringt.

Stell dir Fragen hier wie:

  • Wo ist deine Figur aufgewachsen?
  • Wie sah ihre Familie aus – stabil, chaotisch, abwesend?
  • Welche Erfahrungen in ihrer Kindheit oder Jugend haben sie geprägt?

Beispiel: Wenn jemand früh Verantwortung übernehmen musste, weil ein Elternteil nicht präsent war, wird sie später vielleicht unabhängig, ehrgeizig oder extrem vorsichtig. Vielleicht alles gleichzeitig.

Mindestens genauso wichtig ist: Was treibt deine Figur an?

  • Was will sie? Im Kleinen und im Großen?
  • Gibt es einen Widerspruch zwischen dem, was sie will, und dem, was sie eigentlich braucht?
  • Was verbirgt sie vielleicht sogar vor sich selbst?

Eine Figur, die nach beruflichem Erfolg strebt, könnte in Wahrheit nach Anerkennung suchen, von jemandem, der lange weg ist. Oder sie will Ordnung im Außen, weil es im Inneren chaotisch aussieht. Diese Gegensätze machen sie spannend.


Stärken & Schwächen, denn perfekt ist langweilig

Bitte keine Superheld:innen ohne Fehler. Menschen sind widersprüchlich und deine Charaktere dürfen das auch sein.

Fragen, die helfen:

  • Was kann deine Figur richtig gut?
  • Wo strauchelt sie – emotional, sozial, beruflich?
  • Wie bringt das Reibung ins Geschehen?

Zum Beispiel: Eine brillante Anwältin, die in Liebesdingen total planlos ist. Oder ein charismatischer Barkeeper, der sich innerlich ständig selbst sabotiert. Schwächen machen Figuren greifbar und sympathisch.


Innere Konflikte: Wenn’s in der Figur brodelt

Konflikte sind der Brennstoff deiner Geschichte. Besonders, wenn sie nicht laut und äußerlich sind, sondern leise und tief drin.

Fragen:

  • Welche Überzeugungen deiner Figur stehen im Widerspruch zueinander?
  • Gibt es einen moralischen Zwiespalt?
  • Wie geht sie mit Schuld, Zweifeln oder Verdrängung um?

Beispiel: Deine Figur liebt ihre Familie, aber sie weiß, dass sie sich nur frei entfalten kann, wenn sie geht. Oder: Ein Charakter hält sich für gut, muss aber etwas tun, das seine eigenen Prinzipien infrage stellt.


Beziehungen

Niemand lebt im luftleeren Raum. Wie sich deine Figur anderen gegenüber verhält, zeigt oft mehr als alles, was du über sie schreibst.

  • Wie ist sie in Freundschaften oder Beziehungen?
  • Gibt es Muster zum Beispiel Nähe suchen und gleich wieder fliehen?
  • Welche Rollen übernimmt sie in unterschiedlichen Kontexten?

Ein stiller Charakter kann im Büro zurückhaltend sein, zuhause aber die Fäden in der Hand halten. Diese Kontraste erzählen oft mehr als Worte.


Veränderung: Deine Figur darf (und soll) wachsen

Figuren, die am Ende genauso sind wie zu Beginn, fühlen sich selten echt an. Menschen verändern sich durch Erfahrungen, Begegnungen, Verluste, Erfolge.

Also:

  • Was bringt deine Figur zum Umdenken?
  • Wann gerät sie an ihre Grenzen?
  • Welche Lektionen lernt sie freiwillig oder gezwungenermaßen?

Ein zynischer Typ, der durch eine neue Freundschaft wieder an das Gute glaubt. Oder eine scheinbar starke Figur, die scheitert und erst dadurch innere Stärke entdeckt. Wachstum ist nicht immer geradlinig, aber immer faszinierend.


Eigenheiten, Aussehen & Körpersprache

Manchmal reicht ein winziges Detail, und ein Charakter bleibt hängen. Ein Tick, eine Geste, eine seltsame Vorliebe.

  • Was macht deine Figur in stressigen Momenten?
  • Hat sie eine bestimmte Art zu reden, zu gehen, zu schauen?
  • Gibt es Hobbys, Talente oder Routinen, die sie besonders machen?

Beispiel: Eine toughe Figur, die heimlich Gedichte schreibt. Oder jemand, der nie ohne Notizbuch aus dem Haus geht, weil Kontrolle für ihn alles ist.

Und ja, auch Aussehen und Körpersprache erzählen Geschichten. Wie steht deine Figur da, wenn sie sich unsicher fühlt? Wie reagiert sie auf Berührungen? Achte auf die Zwischentöne.


Geheimnisse & Werte: Was bleibt im Schatten?

Jede:r hat etwas, das er oder sie nicht erzählt. Auch deine Figuren.

  • Welche Erlebnisse aus der Vergangenheit verschweigt sie?
  • Gibt es ein Trauma, das nicht verarbeitet ist?
  • Welche Prinzipien prägen ihr Denken und was passiert, wenn sie gebrochen werden?

Das sind die Momente, in denen Tiefe entsteht. Wenn deine Figur gezwungen wird, sich dem zu stellen, was sie verdrängt. Oder zu erkennen, dass ihre Werte plötzlich nicht mehr funktionieren.

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